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Ist Fahrangst immer gleich? Gibt es Unterschiede?

Diese Frage stellen sich viele.
Hier finden Sie Antworten zu Fragen nach Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Fahrangst (Amaxophobie) – für alle diejenigen, die sich gerne zunächst einmal fachlich informieren möchten.

Was ist Fahrangst eigentlich?

Es muss nicht immer die Angst vorm Autofahren auf der Autobahn sein

Ich bekomme viele Anfragen von Menschen, die aus verschiedensten Gründen Angst vor dem Autofahren haben. 

Manche fahren noch (meist in begrenztem Umfang). Andere fahren schon seit Jahren nicht mehr, so dass Sie auf Freunde und/oder Partner angewiesen sind. 

Wieder andere fahren nicht auf der Autobahn. Oder sie fahren nicht in einer größeren Stadt. Oder sie haben Angst vor dem Einparken und vermeiden daher Ziele mit schwierigeren oder unbekannten Parkmöglichkeiten.

Bei manchen Betroffenen steht die Angst im Zentrum, ohnmächtig zu werden oder einzuschlafen. Bei anderen ist es die Angst, von der Fahrbahn abzukommen oder auf eine andere Art die Kontrolle zu verlieren. Wieder andere quält die Vorstellung, jemanden umzubringen durch die eigene falsche Reaktionen.

Es gibt auch relativ häufig die Angst vor der Technik des Autos – die Vorstellung, es könnte Dinge tun, die man nicht will.

Außerdem gibt es die Angst vor dem Straßenverkehr insgesamt, der einen mit seiner Schnelligkeit überfordert. Die Vorstellung, nicht alles mitbekommen und angemessen reagieren zu können.
Ältere Menschen fühlen sich häufig sogar schon als Fußgänger auf der Straße unwohl.

Wie kann es sein, dass jeder fahren kann, nur ich nicht??

Die Betroffenen stoßen in der Regel auf wenig Verständnis in der Umwelt. Denn scheinbar ist das etwas, das jeder kann: einfach Autofahren!
Viele Klienten erzählen mir, dass sie in andere Autos neidvoll hinein schauen. Wenn sie dann sehen, wer da so alles am Steuer sitzt, dann sagen sie sich: „Jeder kann fahren, auch die Dümmsten, nur ich nicht! Ich muss schon besonders unfähig sein!“

Diese Selbstabwertung wird oft noch verstärkt durch die Reaktionen aus dem Umfeld. Denn wer autofahren kann, kann normalerweise nicht mehr nachvollziehen, was für eine schwierige Sache Autofahren eigentlich ist. (Sonst gäbe es nicht die vielen Autofahrer, die mir in meiner Fahrschulzeit tagtäglich begegnet sind. Autofahrer, die hinter Fahrschulautos herfahren und meinen, durch hektisches Hupen den Anfänger dazu bringen zu können, dass er schneller fährt.)

Die Komplexität des Autofahrens

Aus meiner Sicht ist Autofahren nicht im mindesten selbstverständlich sondern eine höchst komplexe Aufgabe. Es ist mindestens so komplex wie z.B. Schlagzeug oder Klavier spielen. (Letztere kann man aber in Ruhe zu Hause üben, ohne dabei von anderen gehetzt zu werden.)

Man muss Hände und Füße und Blickrichtungen koordinieren und auch noch auf Unvorhergesehenes schnell genug reagieren. Und doch wird in der Regel erwartet, dass man diese Komplexität innerhalb von ein paar Fahrstunden lernt.

Es ist wie mit vielen Dingen, die wir im Lauf unseres Lebens lernen – wir vergessen, wie schwer es mal war. Für die meisten Erwachsene ist laufen oder lesen und schreiben vollkommen selbstverständlich. Aber wenn man Kindern dabei zuschaut, wie sie sich abmühen, es zu lernen, kann man ein bisschen ein Gefühl dafür entwickeln, wie viel dahinter steckt.

Und wie beim lesen-lernen kann auch in der Entwicklung zum sicheren Autofahrer einiges schief laufen. Warum sollte es das hier nicht geben?!

Diagnose: Angst vor dem Autofahren (Amaxophobie)

Die Angst vorm Autofahren (Amaxophobie) ist sogar eine sehr häufige Angst, sie wird nur aus Schamgefühl nicht so häufig thematisiert. Denn viele Betroffene fühlen sich stigmatisiert und unverstanden.

Es gibt die Angst vor dem Autofahren im Allgemeinen und die Angst vor einzelnen spezifischen Situationen beim Fahren. Zum Beispiel das Fahren auf der Autobahn, auf Brücken, im hektischen Stadtverkehr, oder in sehr engen Straßen. Ebenso gibt es die Angst vor Engstellen wie Baustellen oder Tunneln, aus denen man nicht herauskommt. Genauso wie die Angst vor hoher Geschwindigkeit usw.

Diese Störungen der Befindlichkeit fallen unter die „spezifischen Phobien“, F 40.2 nach dem diagnostischen Werk, dass man hierzulande in der Medizin verwendet, dem sog. „ICD-10“.

Sie sind gekennzeichnet durch deutliche – auch körperliche – Angstreaktion (gesteigerter Puls, Schwitzen o.ä.) und Vermeiden der entsprechenden Situation(en). Sie können das tägliche Leben stark einschränken, da sich Vermeidungsverhalten meist immer mehr ausweitet.

Ängste können auch im Rahmen anderer psychischer Störungen auftreten wie z.B. Depressionen, Agoraphobie oder soziale Phobien (deutliche Furcht davor, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen und sich peinlich zu verhalten). Auch im Rahmen von Anpassungsstörungen (länger anhaltende Überforderung durch veränderte Lebensumstände), generalisierten Angststörungen oder Panikstörungen.

Mögliche Ursachen der Fahrangst

Aus meiner Sicht haben alle Ängste einen guten Grund, denn sie werden auf die eine oder andere Art erlernt – wenn auch manchmal nicht auf den ersten Blick ersichtlich.


Manche Phobien entstehen u.U. schon sehr früh und/oder haben nur indirekt mit dem Autofahren zu tun, z.B. im Rahmen einer Höhenangst auf Brücken.
Andere lassen sich auf auslösende Situationen beim Fahren zurückführen.


Ein Bsp hierfür ist eine Klientin, die aufgrund völliger Übernächtigung einen Schwächeanfall am Steuer hatte und danach nicht mehr weiterfahren konnte. Die Angst blieb, da das Erlebniss des „übermannt-werdens“ so gravierend war, dass es sich quasi „eingebrannt“ hat.

Es kann auch in Verbindung mit körperlichen Erkrankungen wie z.B. Schlafapnoe, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht diagnostiziert war, entstehen, wie bei einem weiteren Klienten. Er entwickelte eine Angst vor dem plötzlichen Einschlafen am Steuer und damit dem Kontrollverlust inkl. aller schrecklichen Folgen, die dadurch entstehen können. Die Schlafapnoe wurde zwar medizinisch geheilt, aber der Mensch hatte nun einmal gelernt, dass eine Gefahr existiert, am Steuer einzuschlafen, und die Angst blieb. Im verhaltenstherapeutischen Sinne muss diese Angst erst wieder umgelernt werden.

Auch durch Unfälle oder Beinaheunfälle kann eine massive Angstbelastung zurückbleiben, im schlimmsten Fall sogar als posttraumatische Belastungsstörung (F 43.1 nach ICD-10) mit sog. „Flashbacks“.
Bei genauerem Nachforschen zeigt sich oft einer der folgenden Gründe:

In vielen Familien ist es üblich, dass der Mann fährt. Dadurch hat die Ehefrau wenig Übung und verlernt sogar u.U. das Fahren. Und wenn sie dann doch einmal fährt, hört sie vielleicht auch noch Kritik über ihren Fahrstil.

Manche hören während der Führerscheinausbildung von den Eltern oder dem Fahrlehrer mehrfach, dass sie es eh nie lernen und unbegabt seien. Einer Klientin sagte der Prüfer nach der bestandenen praktischen Prüfung, dass es sehr knapp gewesen sei und dass sie sich unbedingt noch verbessern müsste.

Solche Aussagen sind oft gut gemeint, aber machen es schwer, an sich selber zu glauben und weiter zu üben. Ich gebe Ihnen in diesen Fällen ein neutrales Feedback und gleichzeitig Tipps, wie Sie noch besser werden können, um Ihr Gefühl der Sicherheit zu erhöhen.

Andere erleben irgendwann eine schwierige Verkehrssituation (vielleicht wie ich schon kurz, nachdem Sie den Führerschein in der Tasche haben), die völlig zurecht eine solche Angst auslösen kann, wenn man nicht in der Lage ist, sicher und routiniert darauf zu reagieren. Denn Angst ist eine wichtige Fähigkeit in unserem Leben – sie hält uns davon ab, uns in große Gefahren zu stürzen.

Eine Klientin hat es erlebt, dass sie auf einen Zaun zufuhr, hinter dem Kinder spielten, und vor lauter Schreck völlig falsch reagierte. Dieses Bild wurde sie nicht mehr los, obwohl den Kindern nichts passiert ist.
Andere hatten eigentlich leichte Unfälle, z.B. fuhr jemand Drittes gegen ihren Außenspiegel. Aber auch das hinterließ Spuren.
Eine weitere Klientin wurde auf der Autobahn von einem großen LKW bedrängt und fühlte sich gezwungen, auf den Seitenstreifen auszuweichen. Wieder eine andere kam einfach nicht in die Autobahn hinein und musste auf dem Beschleunigungsstreifen anhalten.

In der Regel ist nichts schlimmes passiert, doch das Gefühl, diesen plötzlichen Ereignissen ausgeliefert zu sein hielt sie davon ab, weiter Auto zu fahren oder ließ sie einzelne Bereiche, wie z.B. die Autobahn, vermeiden.

An solch einer Stelle ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, zu lernen, wie man über solche Situationen Kontrolle gewinnt. Denn nur durch Fahren werden die Fähigkeiten immer besser und ermöglichen wieder positive Erfahrungen und Selbstsicherheit.
Vermeiden verrringert die Fähigkeiten und führt in einen Teufelskreis. Darüber hinaus führt Vermeiden oft dazu, dass die Angst sich ausweitet. Das kann z.B. dazu führen, dass man immer mehr Örtlichkeiten meidet bis hin dazu, dass man auch als Beifahrer/in Angst hat.

Viele der Teilnehmer kommen zu mir mit der Überzeugung, dass man nichts gegen die Gefahren des Straßenverkehrs tun kann und den Gefährdungen durch andere hilflos ausgeliefert ist – das würde bedeuten, dass Fahren mehr oder weniger Glückssache wäre.

Diese Überzeugung ist insgesamt sehr weit verbreitet in Deutschland. Ich sehe das ganz anders. Es macht einen großen Unterschied, ob ich die Risiken bewusst vorhersehe und ihnen aus dem Weg gehe oder eben nicht. Und das hat große Auswirkungen auf das eigene Gefühl beim Fahren.

Genau dabei möchte ich Sie unterstützen: herauszufinden, wie man sich so sicher im Straßenverkehr bewegen kann, dass man sich im Auto gut fühlt.

 

 

Behandlungsansätze und Therapierichtungen

Ich stelle Ihnen im Folgenden übliche therapeutische Ansätze bei Ängsten kurz vor:

Für Phobien kommt im Klinikalltag sowie in der ambulanten Versorgung durch Therapeuten üblicherweise die Verhaltenstherapie zum Einsatz, da ihre Wirksamkeit wissenschaftlich gut nachgewiesen ist. Dort werden Ängste „umgelernt“ durch genaue Analyse und dann schrittweise Konfrontation mit der Angst – sowohl in der Vorstellung (in senso) als auch in der Realsituation (in vivo).
Eine medikamentöse Behandlung kann ebenfalls erfolgen.

Das NLP (Neurolinguistisches Programmieren oder auch neu: Neurolinguistische Psychologie) basiert ebenfalls auf dem Paradigma, dass Ängste erlernt sind. Es bietet verschiedenste Techniken zum Umlernen von Ängsten, Zielearbeit sowie Arbeit mit Glaubensätzen und Grundüberzeugungen.  

Bei der Hypnotherapie geht es darum, durch die Arbeit mit unbewussten Anteilen den Zugang zu unbewussten Ressourcen zu ermöglichen. Diese Arbeit kann aus meiner Sicht sehr hilfreich bei Ängsten sein.
Hypnotherapie hat nichts mit dem zu tun, was man bei Bühnenshows erlebt. Es kursieren häufig irrationale Vorstellungen, dass da irgendetwas mit einem passiert, das man nicht steuern kann. Ich kann Sie in dieser Hinsicht voll beruhigen: In Hypnose kann man nicht zu Dingen gezwungen werden, die man nicht will und man bekommt in der Regel alles voll mit. in dieser Art der auch von mir angewendeten Hypnose kann man sich an alles erinnern und fühlt sich danach gut und gestärkt.

Häufig wird sie mit Ansätzen aus der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie nach Steve de Shazer kombiniert, in der es ebenfalls darum geht, mit den eigenen Stärken in Kontakt zu kommen und sie nutzen zu können anstelle des teilweise üblichen eher zunächst defizitorientierten Blicks auf den Menschen. 

Ich bediene mich all dieser Techniken und arbeite mit dem für mich dahinter liegenden positiven Menschenbild des NLP, in welchem davon ausgegangen wird, dass jeder prinzipiell über alle für eine gewünschte Veränderung notwendigen Ressourcen verfügt, lediglich in manchen Situationen zunächst keinen Zugriff darauf hat. 

Was meine Arbeit mit Fahrangst ausmacht

Manchmal bin ich irritiert über die mittlerweile sehr vielen Fachleute auf dem Gebiet der Fahrangst.
Zum einen gibt es Fahrlehrer, die mit den Klienten das Fahren üben. Meist geben Sie den Klienten die Rückmeldung, dass sie doch fahren können und einfach fahren sollen (was das Problem des schlechten Gefühls nicht immer löst). Davon abgesehen ist das Tagesgeschäft einer Fahrschule zeitlich aufwendig, was aus meiner Sicht verhindert, dass man sich in einem Maße auf diese Thematik fokussieren kann, wie es aus meiner Sicht nötig ist.
Zum anderen gibt es Diplompsychologen, die zwar ein Studium abgeschlossen, aber nicht zwangsläufig das therapeutische Arbeiten erlernt haben. Und wenn doch, dann können Sie in Bezug auf das Fahren selber nur begrenzt weiterhelfen, selbst wenn sie mal im Auto mitfahren. Das gilt auch für Heilpraktiker.  Keinesfalls können sie in der Sicherheit eines Autos mit Doppelpedalerie ein gefahrloses Ausprobieren ermöglichen.
Dann gibt es Fahrsicherheitstrainer, die sehr viel wichtiges Wissen über Fahrsicherheit vermitteln können, aber nicht das Unterrichten des Fahrens im Straßenverkehr gelernt haben und ebenfalls nicht über ein Fahrzeug mit Doppelpedalerie verfügen..
Optimal ist aus meiner Sicht eine Kombination aus einem guten Therapeuten und einem guten Fahrlehrer, um zunächst die Emotionen verändern zu können und im Anschluss das Ganze im Fahren zu überprüfen und anzupassen – solange, bis sich ein Gefühl der Sicherheit einstellt.

Ich habe kürzlich die Geschichte einer Frau gehört, die aufgrund ihrer Angst vorm Autofahren in einer psychiatrischen Tagesklinik in Behandlung war. Nach der Therapie fuhr der Therapeut einmal mit ihr im Auto und  kam zu dem Schluss, Ihre Fahrangst sei geheilt. Das entsprach nur leider nicht dem Gefühl der Patientin selber, sodass sie danach immer noch nicht Auto fuhr.

Ich selber würde mir wünschen, dass jemand, dem ich eine persönliche Angst erzähle, nicht über mich fachsimpelt sondern ganz persönlich darauf eingeht, wie ich mich fühle und mich ernst nimmt mit all den Gründen, warum ich diese Angst entwickelt habe.

Um genau das anbieten zu können, arbeite ich seit Jahren schon mit der Thematik und bilde mich ständig fort, um immer flexibler auf unterschiedliche Anliegen und Bedürfnisse eingehen zu können.

Über mich

„Ich bin Therapeutin geworden, weil es mich begeistert, Menschen bei dem Erreichen Ihrer Ziele zu begleiten und zu unterstützen.“

Ich habe mich nach und nach immer mehr auf das Thema Fahrangst im Allgemeinen sowie in einzelnen Situationen (wie z.B. Autobahnfahren) spezialisiert, weil es dort Handlungsbedarf gibt und es mir einfach sehr viel Spaß macht.

Kontakt

Simone Caillé
Im Hain 1
35410 Hungen-Nonnenroth
(bei Gießen)
Telefon 06402 – 70 82 973

Hasengarten 45
61440 Oberursel
Telefon 06172 – 30 29 13

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55758 Mörschied

Mobil   0151 – 288 25 284
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